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Interview
"Mi Gente", das Titelst�ck deiner neuen Platte ist Spanisch. Hat dich Salsa-Musik dazu inspiriert?
Nein, das St�ck hat keinen Salsa-Beat. Aber ich hatte schon bei "Weather Report" Musiker aus Lateinamerika in meiner Band. Und die brachten immer ihren Background mit ein.
Was wolltest du damit sagen? Wer sind deine Leute?
"My People" sind Menschen, die das Leben lieben, gerne tanzen, essen, trinken � und die in jeder Arbeit Ehre finden, ob als Schuhputzer, Tellerw�scher oder Doktor. F�r mich hat das alles den gleichen Wert. Wie die Instrumente. Solange keiner darauf spielt, sind es nur leblose Werkzeuge. Ein guter Musiker, beseelt jedes Instrument. Was ein Mensch in seinem Beruf macht, hat viel damit zu tun.
Wo komponierst du?
Meine Musik entsteht aus der Improvisation. Ich setze mich also an die Tasten, um zu spielen, und nicht vor ein Papier, um zu schreiben...
Aber deine Sinfonie "Donaugeschichten" hast du doch aufgeschrieben?
Nat�rlich, aber zuerst wurde improvisiert. Dann habe iach alles notiert � f�r ein 90k�pfiges Orchester, die Tschechische Nationalphilharmonie.
Auf "My People" gibt es neben afrikanischen, karibischen und lateinamerikanischen Ankl�ngen auch einSt�ck aus deiner Heimat �sterreich, den "Erd�pfee Blues". Wo sind deine Wurzeln?
Meine Roots sind in der Welt, im Leben. Aber ich kenne nat�rlich nicht die ganze Welt, auch nicht musikalisch. Ich kenne nicht einmal den Unterschied zwischen Mozart und Beethoven, weil ich nie Klassik studierte. W�hrend der Promotion-Tour f�r meine Sinfonie wollte mir das niemand glauben. Aber ich bin ein instinktiver Musiker. Ich lernte zwar Klavier, und mit Friedrich Gulda spielte ich auch Klassik, aber...
Woher kennst du Gulda?
Ich kenne ihn seit 1951. Wir kommen beide aus Wien. Eines Tages kam er aus Amerika und brachte Schallplatten von Dizzy Gilespie mit. Ich hatte damals keinen Plattenspieler. Also ging ich zu ihm, wo wir mit Begeisterung Jazz h�rten und viel dabei lernten.
Welche Pianisten waren deine Vorbilder?
Ich liebe Thelonious Monk. Duke Ellington und Art Tatum. Aber von den elektronischen Keyboardern hat mich keiner beeinflu� � nicht einmal Chick Corea. Denn die meisten spielen Keyboards wie ein Klavier. Mein erstes Instrument war das Akkordeon. Ich besitze davon sieben in unterschiedlichen Stimmungen. Dadurch hatte ich von Anfang an ein v�llig anderes Verh�ltnis zu den Keyboards.
Hat dich Santana mit seiner Latin-Rock-Fusion beeinflu�t? Weather Report war ja auch eine Fusion-Band?
Nein. Carlos hat einen unverwechselbaren Stil, allerdings haben wir im Ausdruck viel gemeinsam: wir lieben Melodien und einen sch�nen Ton. Santana braucht nur drei T�ne f�r ein Solo. Es geht ja in der Musik nicht darum, m�glichst viele Noten in 16 Takten unterzubringen. Deshalb ist Carlos f�r mich � vor McLaughlin und all den anderen � der beste Gitarrist �berhaupt. Er ist ein "Soul-Musiker", denn er spielt von der Seele.
Schon mal Techno geh�rt?
160 Beats in der Minute � bum bum bum. Das ist doch keine Musik. Aber die jungen Leute brauchen das. F�r mich war auch Rock & Roll nie Musik -�aber wichtigste Teil unserer Kultur in den 60er Jahren. Jazz ist f�r mich die gr��te Kunstform des 20. Jahrhunderts. Jazz hat die ganz Welt erobert wie der Wiener Walzer. Aber Rock gab dem Jazz wichtige Impulse. Ohne Rock h�tte es auch Weather Report nie gegeben.
Gulda spielt neben Jazz und Klassik auch Techno.
Naja, das ist Bl�dsinn. Aber mir gef�llt, da� er mit 66 Jahren jung geblieben ist. Er mu� seine Jugend ausdr�cken, indem er so etwas macht. Und das respektiere ich. Ich dagegen mu� nicht Rock & Roll, Disco oder Techno spielen, um mich jung zu f�hlen. Ich f�hle mich jeden Tag neu, wenn ich meine Musik spiele.
Warum hast du deine Gruppe damals "Weather Report" getauft?
Wir wollten Musik spielen, die man t�glich h�rt � wie den Wetterbericht � und sich st�ndig �ndert � wie das Wetter.
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