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My People
Sie schrieben mit "Mercy, Mercy, Mercy" f�r Cannonball Adderley und "Birdland" f�r Weather Report zwei der gr��ten Jazzhits der letzten 50 Jahre. Welche Musik h�ren Sie selbst?
�berhaupt nichts. Das interessiert mich nicht mehr. Ich arbeite jeden Tag. Das ist genug Musik.
Was inspiriert sie dann?
Der Sound meiner Musiker. Ich mu� h�ren, wie einer spielt, welchen Ton er hat. Dann fallen mir dazu St�cke ein.
Der Sound hat mich schon interessiert, als ich noch ein kleiner Bub von acht oder neun Jahren war. Damals bin ich oft mit einem Freund meines Vaters in Billards�le gegangen. Einmal lag auf einem der St�hle ein altes St�ck Filz von einem der Tische. Das habe ich mit Uhu in mein Akkordeon geklebt. Dadurch bekam ich einen Sound, wie ich ihn sp�ter f�r "Black Market" von Weather Report verwendet habe. Das ist ein ganz urspr�nglicher Zawinul-Sound.
Ihre Rhythmen sind aber auch nicht ohne...
Mein bestes Talent war immer der Rhythmus. Ich habe mit "125th Street Congres" und "Boogie Woogie Waltz" auf der Platte "Sweetnighter" den originalen HipHop erfunden. Viele Rapgruppen nehmen diesen Beat und machen ihre Platten draus, aber der originale Drum-Beat f�r diese Musik ist von mir. Schon Miles Davis hat zu mir gesagt: komischer Rhythmus aber toll. Miles war ein lieber Freund, nur sehr unzuverl�ssig. Er wollte mich immer mit auf Tour nehmen. Aber ich hatte eine Familie zu versorgen. Da geht es nicht, da� der Bandleader auf dem Flugplatz sagt, er will lieber doch nicht losfliegen, weil er keine Lust zu spielen hat.
Warum sind sie in den 50er Jahren nach Amerika gegangen?
Damals war ich ein ziemlich leichtlebiger junger Mensch. Ich spielte in der Band von Fatty George, aber in der Musik wollte ich nicht stehenbleiben. Ich bekam ein Stipendium f�r die Berklee-Schule in Boston und bin hin. Schon nach dreieinhalb Wochen hat mich Maynard Ferguson in seine Big Band nach New York geholt. Das war toll. Ich war jetzt in Amerika. Ich habe oft gespielt, und ich hatte einige Girls.
Also Sex, Drugs and Rock�n Roll.
Ja. Das war phantastisch. Sp�ter war ich zehn Jahre bei Cannonball Adderley. Eine wunderbare Zeit. Als ich ihm erz�hlte, da� ich mit Wayne eine eigene Band machen wollte, hat er geweint. Aber dann sagte er: Du und Wayne in einer Band, das wird etwas Besonderes. Und das war es dann auch: Wir fingen mit Weather Report an.
Das war wie ein Kult. Vor allem seit Jaco Pastorius dabei war. Wenn er vor dem Publikum stand, hatte er eine Pers�nlichkeit wie Mick Jagger. Au�erdem hat er wie ein Teufel gespielt.
Warum gibt es heute keine derartigen Jazzbands mehr?
Der Jazz ist kein Entertainment mehr. Die Buben kommen aus den Akademien, aus den Schulen. Die neuen Jungs k�nnen zwar sehr gut spielen, aber sie haben vergessen, da� Musik auch Unterhaltung sein mu�. Deshalb geht es mit dem Jazz bergab.
Meinen Sie mit den "Buben" die "Young Lions" � wie den Trompeter Roy Hargrove oder den Saxophonisten Joshua Redman?
Ja. Die spielen schon saugut. Die spielen mit Wynton Marsalis. Der ist ein phantastischer Musiker und ein nobler Charakter, ein sehr sympathischer Mens. Ich steh� auf den. Er ist auch ein super Musiker. Der spielt haydn, spielt Gluck, spielt alles. Aber irgendwie bleibt bei mir nichts f�r mich selbst h�ngen. Bei uns war das damals anders. Manhat immer geh�rt, wenn der Zawinul der Wayne, der Jaco spielt. Bei Miles oder Armstrong haben zwei T�ne gen�gt, und du hast gewu�t, wer das ist. Das gibt es heute nicht mehr. Aber das Publikum verlangt danach.
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